Keller, Kräuter und Kristalle
(Artikel, Foto von Katrin Lyda, Frankenpost , 31.05.2008)
Führung durch die alten Gänge: Einblicke in die Weißenstädter „Unterwelt“
Viele Städte haben eine interessante Vergangenheit. Manche haben zudem eine spannende Unterwelt. So auch Weißenstadt.
Das Städtchen am Fuß des Waldsteins besitzt eine mehrhundertjährige Bergbautradition. Seit dem 15. Jahrhundert wurden dort Kristalle gefunden und abgebaut. Schon Markgräfin Wilhelmine wusste die glitzernden Steine aus dem Fichtelgebirge zu schätzen: Die Weißenstädter
Kristalle dienten unter anderem zur Ausgestaltung der Bayreuther Eremitage.
Auch den Altar der Stadtkirche St. Jakobus zieren einige besonders schönes Exemplare. In dem Gotteshaus am Marktplatz beginnt Willi Sacks Führung durch die Weißenstädter Unterwelt. Der pensionierte Drogist gibt einen Überblick über die Entstehung des Fichtelgebirges und die geologischen Zusammenhänge, wie ausgerechnet hier solche Kristalle entstehen konnten.
„Jeder echte Weißenstädter trägt einen Kristall bei sich. So manches Loch in der Hosentasche geht auf diesen Brauch zurück.“
Die Steine sollen Glück bringen, Krankheiten fernhalten und Mut verleihen, behauptet der betagte Stadtführer.
Der Weißenstädter Kristallgang durchzieht die ganze Stadt. Er verläuft von der Eger die Lange Straße entlang bis kurz vor dem See. Der gezielte
Abbau der Steine wurde Mitte des 18. Jahrhunderts eingestellt. Dabei seien die Vorkommen so reich, dass man, laut Sack, „mühelos auch eine zweite Eremitage damit ausstatten könnte.“
Als nächste Station geht es in die Tiefe. Willi Sack öffnet die Tür zu einem steilen Abgang. Auf Stiegen und Treppen lässt er die Gäste hinab in
Gewölbe steigen, die aus dem Granit herausgehauen sind. Jedes der alten Häuser Weißenstadts besitzt einen solchen Felsenkeller.
Alle sind miteinander verbunden. „Dieser Keller in der Kirchenlamitzer Straße stammt aus dem Dreißigjährigen Krieg“, erklärt Sack den staunenden Zuhörern. Früher konnte man unterirdisch von Haus zu Haus gehen. Nicht jedem war das lieb, inzwischen sind manche Gänge durch Mauern oder Türen versperrt, eingestürzte wurden nicht mehr freigelegt.
Hoher Gehalt an Radon
Eine weitere Besonderheit ist das Radon. In den Weißenstädter Granitgängen wurde ein hohes Vorkommen des Edelgases gemessen. „Die Werte sind vergleichbar mit den im österreichischen Kurort Bad Gastein“, weiß Sack. Radon soll sich positiv bei Rheuma, Lungenproblemen
und sogar Krebs auswirken. In jedem Fall eine positive Wirkung aufs Gemüt erzielt die anschließende Führung durch Sacks Destille.
Hier stellt der ehemalige Drogist Liköre und Brände aus heimischen Kräutern her. Und damit sie sich einen Eindruck von den geistreichen Fichtelgebirgsgewächsen verschaffen können, dürfen die Teilnehmer die Sack’schen Flüssig-Kräuter auch verkosten.
Kontakt:
Terminvereinbarungen bei Willi Sack, Tel. 09253-254,
oder im Kurhotel, Tel. 09253-954540


